Dank KI wird Torheit täglich gekauft

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Dank KI wird Torheit täglich gekauft
Titelblatt der Seneca-Brief

Das Grundprinzip von Künstlicher Intelligenz (KI) bzw. was sie im Alltag leisten soll, ist etwa 2000 Jahre alt. Zumindest wenn man Senecas 27. Brief an Lucilius liest, in dem der reiche Calvisius Sabinus sein fehlende Gelehrsamkeit durch besonders gebildete Sklaven ersetzen will.

Mit großen Geldsummen kauft er Sklaven, die etwa Homer auswendig lernen sollen oder Hesiod; andere müssen Lyrik rezitieren können. Bei Festivitäten stehen die Sklaven neben Sabinus und werden gefragt, wenn er eine passende Gedichtzeile braucht, die er wiederholt, wenn er sich auch hier verhaspelt.

Satellius Quadratus, ein »Schmarotzer reicher Narren« und Spötter legt ihm nahe, statt der Sklaven hätte er lieber »Bücherschränke« kaufen sollen. Sabinus aber beharrte bei seiner Einbildung, selbst zu wissen, was irgend einer in seinem Hause weiß.

Darauf wird er aufgefordert, als Ringkämpfer aufzutreten. Der Antwort des schwachen und nicht trainierten Sabinus: »Wie wäre mir das möglich, lebe ich doch kaum,« begegnete Satellius mit den Worten: »Führe doch nicht solche Reden, siehst du nicht, wie viele riesenstarke Sklaven du hast?«

Senecas Moral der Geschichte: »Gesunder Verstand läßt sich weder erborgen noch erkaufen. Und wäre er käuflich, er würde, glaube ich, keine Käufer finden. Aber Torheit wird täglich gekauft.«

Apropos Ringkämpfer: Danke an meinen Kung-Fu-Bruder S., der mir von der Geschichte erzählte.

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