Antikommunismus, die Grundtorheit unserer Epoche
Thomas Mann stellte 1943 in seinem Vortrag »The War and the Future« heraus, dass er »in einem Sozialismus, in dem die Idee der Gleichheit die der Freiheit vollkommen überwiegt«, wahrlich nicht das menschliche Ideal erblicke, und er sei »vor dem Verdacht geschützt, ein Vorkämpfer des Kommunismus zu sein.« Trotzdem komme er »nicht umhin, in dem Schrecken der bürgerlichen Welt vor dem Wort Kommunismus, diesem Schrecken, von dem der Faschismus so lange gelebt hat, etwas Abergläubisches und Kindisches zu sehen, die Grundtorheit unserer Epoche«. Thomas Mann spricht aus, was zusammengehört und erkennt im Antikommunismus ein Schwungrad der Faschisierung – und benennt damit auch die Verantwortung des Bürgertums, zu dem er sich eindeutig zählt. Es war angesichts einer vermeintlich roten Gefahr bereit, die Demokratie aufzugeben, den Schulterschluss mit den Rechten und Faschisten zu suchen. Im Jahr 1943 war es für Alternativen zu spät. 2026 ist es noch nicht zu spät, aber die konservativen und bürgerlichen Kräfte arbeiten schwer daran, wenn man den Umgang mit der Wahlergebnissen in Sachsen-Anhalt und Berlin vergleicht – denn auch diese sind zwei Seiten einer Medaille.